Alles Luftschlösser?

Thementext dwt-Zelte: Markise versus Vorzelt

kl,company Pressearbeit dwt zelte


Markise oder Vorzelt? Diese Frage ist so alt ist wie das Thema Reisemobil. Während sich heute einerseits Markisen nachträglich zur Wettertrutzburg ausbauen lassen, sind andererseits moderne Vorzelte so schnell und einfach aufzubauen, dass man nur staunen kann. Heißt es jetzt Markise UND Vorzelt? Wir haben uns zwei verschiedene Konzepte angesehen, um beim Aufbau eines Vorzeltes das lästige Hantieren mit dem Gestänge zu vermeiden. Während Markisenhersteller Thule natürlich die vorhandene Markise dazu maximal ausnutzt, liefert Zelthersteller dwt ein komplettes Zelt, das nur die eingerollte Markise nutzt.

Luftzelt dwt Bora Air

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Das Bora Air ist konzipiert für den Kedereinzug an der meist ohnehin vorhandenen Markise und damit sehr einfach montiert. Markise raus, bis man an die Kederschiene kommt, Zelt reinziehen, Markise wieder hochkurbeln. Das dauert keine zwei Minuten. Genauso schnell sind die drei „Luftstangen“ aufgepumpt. Dabei wächst aus dem Textilknäuel von ganz allein das Vorzelt empor, weil es gar nicht anders kann, als sich korrekt aufzustellen.

In der fünften Minute stehen Sie schon drinnen und freuen sich über das gelungene Werk. dwt-Zelte spricht nur von „schnellem Aufbau“. Eine starke Untertreibung. Dieses Zelt hat eine Person alleine aufgebaut, bevor der Rest der Besatzung von der Besichtigung der Sanitäranlagen zurück ist. Oder bevor der drohende Wolkenbruch Realität wird.

Nach dem Richtfest wenden wir uns den Details zu und stellen fest, das hier zu Ende gedacht wurde. Weil Markisenhersteller einen anderen Keder benutzen, als er am Wohnwagen zu finden ist, wird das Bora Air gleich mit zwei Kedern ausgeliefert. Das passt immer.

Und deswegen wird das Zelt auch darauf vorbereitet, wahlweise direkt an der Seitenwand ober eben um eine Markisenbreite davon entfernt zu stehen. Im Packsack finden sich drei Schaumstoffpolster, mit denen die Luftschläuche verlängert werden, um sich unter der Markise an der Wand abstützen zu können.

Bleibt der Abstand zwischen der Seitenwand des Zeltes und dem Fahrzeug, der sich bei Montage an der Markise nicht mückendicht anschließen lässt. Dagegen hilft der optionale Luftplostersatz, der kurz aufgepumpt und zwischen Zeltwand und Fahrzeug geklemmt wird. Sitzt bombenfest und ist genauso leicht installiert, wie es sich hier liest.

Die Bodenstreifen des Bora Air liegen nach innen umgeschlagen unter den Fußenden der Luftpolster und schützen so auch diese vor dem Boden. Dadurch liegt auch ein beliebiger Zeltboden hier sauber abgeschlossen von Staub und Feuchtigkeit, ohne dass man dafür irgendwelchen größeren Aufbauaufwand hätte.

Die „Luftstangen“

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Der eigentliche Luftschlauch ist komplett von einer robusten Textilhülle umgeben. Diese kann man im Ernstfall aufzippen und den Luftschlauch wie einen Fahrradschlauch flicken, aber es ist bei normalem Gebrauch nicht vorstellbar, dass dieser Fall eintreten könnte. Dieses Paket sitzt wiederum in einem fest im Zelt vernähten Tunnel, der ebenfalls per Reißverschluss geöffnet werden könnte, wenn es denn jemals notwendig sein sollte. Die volle Tragfähigkeit erreicht der Luftschlauch schon bei 0,8 bis 0,9 Bar, was mit der manuellen Pumpe ohne Anstrengungen erreicht wird. Gedanken an einen elektrischen Kompressor, die der Redakteur im Vorgespräch noch im Kopf hatte, sind verflogen. Bis der startklar ist, steht das Zelt längst.

Thule Quickfit

Der Markisenhersteller nutzt sein stabiles Gerüst für ein ebenfalls weitgehend stangenloses Vorzelt, das unter die Markise gehängt wird. Die dazu benötigte Kederschiene am Markisenkasten wird je nach Markisentyp entweder am Fahrzeug befestigt oder in die entsprechende Nut am Markisenkasten eingeschoben. Und wenn Sie schon beim Montieren sind, überlegen Sie sich gleich, wie Sie dort unterwegs rankommen.

Das Vorzelt selber wird in Einzelteilen geliefert, beim ersten Aufbau müssen alle herausnehmbaren Wände eingezippt werden, alle Abspannleitern für die Heringe angeclipst und die Haken für die vordere Aufhängung in der Markise eingefädelt werden. Rechnen Sie dafür einmalig eine halbe Stunde ein.

Ist das Alles erledigt, geht es dann genau so schnell wie das Luftzelt, nur anders: Zuerst die Markise aufbauen, mit Mittelstrebe. Damit ist schon mal Regenschutz gewährleistet. Unter dem Dach können Sie dann gemütlich das Vorzelt auspacken. Es wird in die Kederschiene am Markisenkasten eingezogen und in der Mitte an der Mittelstrebe angeklettet. Vorn schnell die Ösen für die Spannhaken einschoben, die Haken einhängen und schon ist der Rohbau fertig.

Zur Abspannung am Fahrzeuge sind Polster eingearbeitet, die entweder unten an der Karosserie eingehakt oder am Boden abgspannt werden. Hinten rum steht das Zelt jetzt, muss aber vorne zumindest noch in den Ecken am Boden abgespannt werden, damit aus einer im Wind flatternden Plane ein Zelt wird. Damit ist das Markisenvorzelt „erst“ nach zehn Minuten im Rohbau fertig, aber dafür ist die Abspannarbeit auch schon zur Hälfte erledigt.

Beim hier getesteten Model ist dann noch der „Sonnenschirm“ aufzuspannen, der fest angebaut ist und nicht ignoriert werden kann. Dieser ist mit einer doppelten Lage kräftiger Glasfiberstangen in Form zu bringen, unten am Zelt abzuspannen und dann noch mit zwei Bodenankern im Zaum zu halten. Eine eher lästige Übung, die das Thule QuickFit am Ende fünf Minuten langsamer macht als die Luftnummer, zumal die zusammen gesteckten Stäbe dazu tendieren beim Einschieben und insbesondere beim Herausziehen im Tunnel auseinander zu fallen. Dafür gibt es jetzt neu das etwas einfachere EasyLink, das ohne dieses ebenso elegante wie unhandliche Vordach auskommt. Dafür lassen sich dort die Seitenwände nicht herausnehmen.
Systemvergleich

Bodenschürze

Ohne Bodenschürze sind beide Markisenzelte nur ein Regenschutz, Wind und Mücken haben weiterhin freien Zutritt. Dafür, und das können dieses „Instant-Zelte“ auch nicht besser als klassische Varianten, ist ein Keder am Fahrzeug anzubringen der sich leider nicht so gut versteckt, wie der Kollege unter dem Markisenkasten. Insbesondere bei dem kleinen Stück über dem Radkasten wird es hässlich. Und rund um die Eintrittsstufe ist das möglicherweise nie dicht zu bekommen.

Immerhin klammert Thule dieses Thema nicht aus und liefert die Schürze selber gleich mit, sogar zweiteilig für den Radkasten. Für beide Zelte gilt, dass der untere Abschluss zur Seitenwand lang genug ist, um auch die Lücke zur Bodenschürze mit abzudecken. Wer also die Schürze montiert, bekommt das Zelt wirklich dicht, soweit der Einstieg ins Mobil das zulässt.

Aufbauaufwand

Beide Varianten sind auf sehr hohem Niveau aufbaufreundlich, weil sie zunächst ohne Gestänge auskommen. Man kann sie auch für einen einzigen Abend aufbauen, so stellt sich ein reisender Mobilist das vor! Im Vergleich erscheint dabei das Pumpen am Bora Air noch weniger umständlich als das Einfädeln der QuickFit unter dem hoch montierten Markisenkasten.

Ganz ohne Gestänge kommen beide Kandidaten am Ende nicht ganz aus. Beim Bora Air werden an der Vorderfront mit einem Stab die Luftschläuche auf Abstand gehalten, diese wird fest zusammen gesteckt und gemütlich von innen in das längst stehende Zelt eingeschoben. Beim QuickFit sind die zusammengesteckten und unter Spannung verbauten Glasfiberstäbe für das Sonnensegel erheblich aufwendiger in der Montage. Nur das EasyLink ist wirklich stangenfrei.

Regenschutz

Mit dem PVC-Markistentuch oben drüber werden die Thule-Zelte nicht ernsthaft gefordert. Aber soviel Regen muss erstmal kommen, dass die dwt-Haut klein beigibt. Ihr Vorteil liegt in der runden Form, die jederzeit für einwandfreies Ablaufen von Regenwasser sorgt. Markisen hingegen neigen zur Bildung von Wassersäcken. Der Praktiker stellt deshalb die vordere Kante schräg, indem er eine Stütze weniger weit ausfährt als die andere. So ganz hilft das nicht, das kennen wir alle aus der Praxis. Normalerwiese drückt man einmal kurz unter das Markistentuch und schon schwappt das Wasser herunter. Mit Vorzelt drunter geht das nicht. So hat da Bora Air im Regen die Nase vorn.

Wandabdichtung

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Die Thule-Zelte kommen serienmäßig mit eingebautem Schaumkissen, der einfache Tuchüberstand des Bora Air überzeugt nicht. Aber wenn man das jeweilige Zubehör mitnimmt, geht es anders herum: Die dicken Luftschläuche in die Tuchfalte des Bora Air eingelegt machen gründlich dicht und sind sehr einfach zu montieren. Thule setzt erneut auf fummelige Verspannung von Glasfiberstäben, wenn es mit den Druck auf dem Schaumkissen alleine nicht reicht.

Windfestigkeit

Der Luftschlauch bleibt immer elastisch und kann einer Windbö ausweichen. Das Bora Air kann so auch keine Kräfte auf die Fahrzeugwand ausüben, die dieser gefährlich werden könnten. Allerdings ist die Markise nicht dafür gemacht ist, dass in geschlossenem Zustand an ihrem Keder gerüttelt wird. Erneut bewähren sich die Schaumpolster von dwt, die das Zelt fest vor der Markise stehen lassen. Fehlen diese, kann das Gezerre bei Wind schnell gefährlich für die Markise werden.

Das QuickFit und auch das EasyLink hingegen verbessern die Standfestigkeit der Markise, weil der Wind nicht mehr unter die Markise packen kann. Das am Boden abgespannte Zelt hält die Markise zusätzlich am Boden. Im Ernstfall können beide gemeinsam mit einer Sturmabspannung zusätzlich gesichert werden. Das ist in der Summe die stabilere Angelegenheit.

Wechselnde Wetterbedingungen

Das Bora Air wirkt ein wenig wie ein Kellergewölbe auf die Bewohner. Das hat eine gemütliche Note solange man das Zelt rein wettertechnisch benötigt. Aber auch sobald die Sonne wieder scheint, bleibt das Bora bis auf zwei Türen auf den Seiten zu. Denn die Statik des Luftzeltes funktioniert nur, wenn sich die Luftschläuche an der Zeltbahn abstützen können.
Beim QuickFit kann man die Front- und Seitenwände fast vollständig wegrollen oder gar auszippen. Als wäre das noch nicht Vorteil genug, kann man die Wände durch vollständig mit Mosquitogaze versehene Wände ersetzen und hat dann einen sommerlichen mückensicheren Freisitz.

Wie das QuickFit steht auch das EasyLink nicht in der prallen Sonne, sondern immer im Schatten der Markise. Mit Bodenschürze aufgestellt, bieten sie aus drei Richtungen vollen Windschutz, auch wenn sie vorne auf ganzer Breite geöffnet ist.

Fazit

Für den sommerlichen Einsatz als leichtes Dach über dem Kopf bleibt die Markise ungeschlagen. Das ist gar keine Frage der Aufbauzeit, sondern des Anspruches, unter dem Dach weiterhin draußen zu sein. Die Stunde des Vorzeltes schlägt dann sobald Wetter aufzieht, bei dem man nicht mehr draußen sein möchte oder gefräßige Flugmonster anrücken.

Solange Shorts und Badeschlappen grundsätzlich die passende Garderobe auf dem Camp sind, und nur temporär Schutz benötigt wird, ist man mit dem QuickFit am besten gerüstet, weil es sich luftiger machen kann und es sich unter der Markise stehend weniger aufheizt.

Das günstigere EasyLink macht es fast genauso gut, verfügt aber nicht über die herausnehmbaren Seitenteile und den zusätzlichen Sonnenschutz vor dem Zelt. Es ist damit eher für den Einsatz außerhalb mediterraner Sommerhitze gemacht.

Sind schon eher Jeans und Fleece angesagt, sollten Sie das Bora Air an Bord haben. Als Saisonverlängerung in Frühjahr und Herbst bietet es mehr Standfestigkeit gegen längere Regengüsse und ist mit weniger Unterbrechungen in der Bodenschürze und den aufgeblasenen Polstern an der Seitenwand im Zweifelsfall winddichter. Die Markise steht nicht im Regen, Auf- und Abbau sind schneller erledigt.

Gleichstand. Je länger man es dreht und wendet, desto gleicher wird es. Alle sind so einfach aufgestellt, dass sie auch wirklich benutzt werden und sind keine halbgaren Spielzeuge. Das DWT ist dabei für raueres Wetter gemacht, während die Thule-Produkte den Sommer verschönern wollen. Beide Varianten sind Leichtzelte für den mobilen Einsatz über einige Tage und haben ihre Wettergrenzen. Mit schweren Ganzjahreszelten sollen und können sie nicht mithalten. Dort führt kein Weg am Metallgerüst vorbei.

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